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Während die kleinen und mittleren Unternehmen unter heutigen Wettbewerbsbedingungen oft hoch effizient arbeiten müssen, um zu überleben, erscheint die Volkswirtschaft als Ganzes zunehmend ineffizient.
Die parallele Produktion ähnlicher Güter, geplante Obsoleszenz und die Vernachlässigung ursprünglicher menschlicher Bedürfnisse sind Merkmale der Marktlogik. Wie lange kann sich das eine Volkswirtschaft noch leisten? Zumal diese Überproduktion und der globale Transport der oft in Niedriglohnländern produzierten Güter hauptsächlich auf fossiler Energie beruht.
Seit der weltweiten digitalen Vernetzung stellt sich die Frage, ob Märkte für die gesellschaftliche Koordination technisch überhaupt noch notwendig sind. Menschen könnten ihre Bedürfnisse über das Internet direkt mitteilen, Produzierende unmittelbar darauf reagieren und digitale Systeme – einschließlich demokratisch kontrollierter KI – dabei helfen, Produktion bedürfnisorientiert statt kaufkraftorientiert zu koordinieren.
Was bliebe jeoch als Anreiz für die Unternehmen, ihre Aufgabe bei der Versorgung der Menschen wahrzunehmen? Ohne Preise, ohne Konkurrenz, ohne Gewinnstreben?
Überraschenderweise bleibt nicht weniger, sondern etwas viel Ursprünglicheres und Reineres. Die Forschung zu intrinsischer Motivation (insbesondere die Selbstbestimmungstheorie nach Deci & Ryan) zeigt, dass drei psychologische Grundbedürfnisse übrig bleiben, die dann sogar noch stärker wirken als heute:
1. Soziale Anerkennung und Status (das Bedürfnis nach Verbundenheit)
Auch ohne Geld entsteht sofort ein neues „Sozialkapital“. Wer gefragt wird, etwas herzustellen, erhält eine direkte, nicht-kommerzielle Wertschätzung. Der Motivator ist nicht der Verkaufspreis, sondern die Tatsache, dass man gebraucht wird.
Wenn Ihre Nachbarn Sie bitten, ein Gerät zu bauen, weil Sie es am besten können, ist das ein starkes emotionales Belohnungssignal. Dieses Feedback wäre ein reiner, ungefilterter „Helfer-Hormonschub“, weil man unmittelbar sieht, wie das eigene Produkt ein echtes Problem löst.
2. Handwerksstolz und Meisterschaft (das Bedürfnis nach Kompetenz)
Der Antrieb, etwas perfekt, schön, langlebig oder besonders clever zu konstruieren, ist tief im Menschen verwurzelt. Ohne den Druck, Kosten zu sparen oder geplante Obsoleszenz einzubauen, um Folgekäufe zu generieren, würde die Freude an der Problemlösung an sich in den Vordergrund rücken. Der Ingenieur oder Designer würde nicht fragen: „Verkauft sich das?“, sondern: „Ist das die beste Lösung für dich?“ Das ist reine intrinsische Meisterschaft – vergleichbar mit einem Künstler, der malt, nicht weil das Bild verkauft wird, sondern weil es entstehen muss.

3. Kreative Autonomie (das Bedürfnis nach Freiheit)
Sie denken vielleicht, dass ohne Markt die Kreativität stirbt, weil es keinen Wettbewerb gibt. Das Gegenteil ist der Fall. Die Freiheit bestünde dann darin, den Weg zur Erfüllung des Bedarfs frei zu wählen. Der Auftrag lautet zwar „Baue mir ein Dach“, aber wie es gebaut wird, welche innovativen Materialien oder Formen verwendet werden, bleibt dem Unternehmer überlassen. Diese gestalterische Freiheit ist ein extrem starker Motivator – oft stärker als das Abhängen von Konkurrenten.
4. Reziprozität und zwischenmenschliche Verpflichtung
In einer marktlosen, rein bedarfsorientierten Gesellschaft entstünde ein Netz aus gegenseitigen Gefälligkeiten. Wenn Unternehmen rein auf Anforderung produzieren, entsteht eine direkte Beziehung zwischen Produzent und Empfänger. Die Motivation, hervorragende Arbeit zu leisten, speist sich dann aus dem natürlichen menschlichen Bedürfnis, das in einen gesetzte Vertrauen nicht zu enttäuschen. Man produziert nicht für anonyme „Kunden“, sondern für konkrete Menschen, deren Gesichter man kennt.
Was würde also wegfallen?
Der Drang, Produkte mit geringem Nutzen zu erfinden, um sie anzupreisen. Die Motivation, Abhängigkeiten zu schaffen oder künstliche Bedürfnisse zu wecken, würde komplett verschwinden, weil sie in diesem System keinen Zweck mehr hätte.
Was würde übrig bleiben und sogar erstarken?
Die ureigensten menschlichen Antriebe: Neugier (Was kann ich noch alles lernen, um besser zu helfen?), Fürsorge (Wie kann ich dir das Leben erleichtern?) und Stolz (Sieh her, das habe ich für dich geschafft).
In dieser Fiktion wären Unternehmer keine Geschäftsleute mehr, sondern Problemlöser mit Handwerksseele. Ihr Antrieb wäre nicht schwächer als heute, sondern sogar reiner und unmittelbarer befriedigend – denn der Erfolg misst sich nicht an einer abstrakten Bilanz, sondern an der glücklichen Rückmeldung eines einzigen Menschen, dem man gerade geholfen hat.
Die Frage bleibt: Wie können wir den Markt überwinden?
Berlin, den 01.07.2025
Eberhard Licht simple at economy dot nu