Brauchen wir im Zeitalter von KI und Robotik die Lohn-Preis-Logik überhaupt noch?

Brauchen wir im Zeitalter von KI und Robotik diese Lohn-Preis-Logik überhaupt noch?

Was wäre, wenn wir uns vorstellen würden,

  • dass wir, anstatt abzuwarten, was der Markt zu bieten hat,
  • genau das, was wir brauchen, direkt beim Hersteller bestellen würden, ohne von Werbung beeinflusst zu werden?

Vielen ist es nicht bewusst, aber diese Möglichkeit gibt es, seit der globalen Vernetzung.

Wir könnten tatsächlich direkt beim Hersteller bestellen und die KI könnte dabei helfen, dass Produktion und Transportwege optimiert werden. Die heutige Wirtschaft ist in der Lage, On-Demand zu produzieren.

  • Aber entscheiden wir uns nicht trotzdem immer für die billigste Option?
  • Egal in welchem Land und unter welchen Bedingungen es produziert wurde?

Deshalb dürfte es dann eigentlich keine Preise mehr geben.

Denn ohne Preise würden wir wirklich das bestellen, was wir tatsächlich brauchen und nicht das, was am billigsten ist.

Wenn es also keine Preise mehr gäbe, dann könnten die Unternehmen nur noch das produzieren, was die Menschen tatsächlich wollen, und nicht mehr das, was sich irgendwie verkaufen lässt.

  • Wenn niemand Waffen wollte, würden diese nicht mehr hergestellt.
  • Wenn die Menschen langlebige und reparierbare Produkte wollten, würde die Wirtschaft langlebige und reparierbare Produkte produzieren.

Unter welchen Bedingungen könnten die Preise ihre volkswirtschaftliche Funktion verlieren?

Dazu gibt es ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit:

Im Januar 2026 stand ein Leipziger Agrarbetrieb vor der Tatsache, 4000 Tonnen Kartoffeln wegen eines Preisverfalls nicht gewinnbringend verkaufen zu können. Er entschloss sich, die Kartoffeln nicht an das Vieh zu verfüttern, sondern sie zu verschenken.

Diese Kartoffeln haben dadurch ihren Preis verloren.

In diesem Moment erfüllten sich zwei Voraussetzungen gleichzeitig:

  • Der Agrarbetrieb nutzte seine unternehmerische Freiheit, um vollkommen unabhängig zu entscheiden, seine Produkte zu verschenken. Niemand konnte ihn daran hindern.
  • Die Kartoffeln hatten durch das Verschenken keinen Preis mehr.

Machen wir folgendes Gedankenexperiment:

  • Was würde passieren, wenn immer mehr Unternehmen diesem Beispiel folgen würden?

Auf den ersten Blick erscheint das unmöglich. Schließlich müssen die Unternehmen Rohstoffe, Energie und Arbeit bezahlen, und würden sofort bankrottgehen, wenn sie ihre Erzeugnisse verschenken.

Selbst wenn ganze Länder dazu übergehen würden, würden sich andere Länder die kostenlosen Produkte holen und sie in ihren Ländern verkaufen.

So etwas wäre also nur möglich, wenn es weltweit gleichzeitig geschehen würde, ähnlich wie bei Finanzkrisen, die weltweite Auswirkungen haben oder beim ersten Lockdown im März 2020, bei dem die weltweite Solidarität und Disziplin dafür sorgte, dass die Gesellschaft nicht zusammenbrach.

Aus diesen Voraussetzungen folgt schließlich…

…dass vielleicht nicht die Automatisierung die eigentliche Revolution ist, sondern die Abkopplung des Lebensunterhaltes vom Einkommen?

Wenn nämlich alles kostenlos wäre, bräuchten die Menschen kein Einkommen mehr und Arbeitslosigkeit wäre Geschichte. Niemand müsste mehr Angst vor der Automatisierung der Produktion haben.

Warum fällt es uns so schwer, uns eine solche Situation vorzustellen?

Weil wir Preise, Kosten und Löhne/Gewinne immer mit der Marktwirtschaft verbinden.  Es geht aber um eine neue Form der Wirtschaft!

Eine neue Definition von Kosten und Einkommen

Sollten wir diese historischen Grundlagen deshalb nicht neu überdenken, wenn wir über eine zukünftige Wirtschaft nachdenken? Hier sind sie erklärt:

Behauptung:

Unter Berücksichtigung der neuen wirtschaftlichen Definitionen, wonach nur bezahlte Arbeit den Produkten ihren finanziellen Wert verleiht, gilt Folgendes:

▶️   Die zentrale Hypothese:

Der eigentliche Zweck von Löhnen und Unternehmensgewinnen besteht darin, den individuellen Lebensunterhalt zu sichern.

Wäre dieser individuelle Lebensunterhalt dauerhaft auf andere Weise gesichert, dann wären Löhne und Gewinne nicht mehr notwendig.

Beschreibung der Lösung:

▶️  Daraus ergibt sich ein theoretisches Gedankenexperiment:

  • Würden alle Unternehmen weltweit, wie der Leipziger Agrarbetrieb, in einer gemeinsamen Aktion unternehmerischer Freiheit gleichzeitig dazu übergehen, ihre Produkte und Dienstleistungen kostenlos abzugeben, wären keine Einkommen mehr erforderlich.
  • Nur die Zahlung von Einkommen und die Gewinnentnahme verursachen die Produktionskosten. Sind keine Einkommen und Gewinne erforderlich, dann gibt es keine Produktionskosten.
  • Damit schließt sich der Kreis und stellt sicher, dass Produkte und Dienstleistungen kostenlos bereitgestellt werden können.
  • Wenn die Produkte und Dienstleistungen kostenlos abgegeben werden, dann gibt es keine Preise.

Zur Verdeutlichung der Gültigkeit dieser Lösung wollen wir sie mit dem Zirkel der Lohn-Preis-Spirale vergleichen:

Ergebnis

Da es sich hierbei nicht um einen physischen Eingriff in die Wirtschaft handelt, sondern lediglich um eine organisatorische Veränderung, wird die Wirtschaft nicht direkt beeinträchtigt.

Die Produktion würde auf der Grundlage langfristiger Lieferbeziehungen ungehindert weiterlaufen; lediglich Buchhaltung und Lohnabrechnung würden entfallen. Da diese aber in der Zukunft liegen, handelt es sich eher um eine symbolische Handlung.

Nach der Umstellung auf direkte Versorgung entfällt der ökonomische Druck, Konsum künstlich anzuregen. Deshalb entfällt auch die strukturelle Notwendigkeit von Werbung.

Empirische Studien zeigen, dass emotionale Werbereize das Belohnungssystem im Gehirn aktivieren und impulsive Kaufentscheidungen begünstigen, insbesondere bei Gütern, die nicht der Grundversorgung dienen.

Der daraus folgende Rückgang des Konsums würde nicht als Verzicht empfunden werden, weil er vollkommen freiwillig zustande kommt.

Weniger Konsum würde zu einer Reduzierung der Produktion führen.

Eine weitere Schonung der Ressourcen und Verringerung der Umweltbelastung wird erreicht, weil Arbeit nichts mehr kostet und damit der Weg geebnet ist, recycelfähige und langlebige Güter herzustellen.

Warum sollten Unternehmen einen solchen Schritt überhaupt erwägen?

Der Vorschlag verändert weder Eigentumsverhältnisse noch Produktionsstrukturen oder Lieferketten. Unternehmen würden weiterhin produzieren, könnten sich jedoch von Preiswettbewerb, Renditeerwartungen und permanentem Wachstumsdruck lösen.

Bei der hier vorgestellten Vision liegt die Entscheidung allein bei den Unternehmen — sie wären dann von allen Zwängen des Marktes befreit und könnten sich damit wieder ihrer historischen Aufgabe widmen:

Versorgung der Menschen unter Berücksichtigung der Bewahrung der natürlichen Umwelt.

Abgrenzung zu anderen Transformationsansätzen

Was der vorliegende Entwurf ausdrücklich nicht verlangt:

  • keine Enteignungen
  • keine zentrale Planwirtschaft
  • keine staatliche Zwangssteuerung
  • keine Reform des Finanzsystems als Voraussetzung
  • keine Abschaffung unternehmerischer Selbständigkeit

Häufig gestellte Fragen

Wer würde dann noch arbeiten?

Was wird aus der Ressourcenallokation, wenn es keinen Markt mehr gibt?

Unabhängig davon, ob sich dieser Vorschlag letztlich als praktikabel erweist, erscheint es sinnvoll, ihn als wissenschaftlich diskutierbare Option zu untersuchen.

Der technologische Wandel stellt die traditionellen Annahmen über Arbeit, Einkommen und wirtschaftliche Koordination zunehmend in Frage. Gerade deshalb könnte jetzt der richtige Zeitpunkt sein, alternative Modelle unvoreingenommen zu prüfen.

Weitere Fragen wie

  • Wer macht die unangenehme Arbeit?
  • Gibt es noch Fortschritt
  • Was wird mit Luxusgütern

sowie zum Beispiel des Care-Bereiches, in dem die Marktlogik ausgeschlossen ist  und der fast die Hälfte des gesellschaftlichen Lebens einnimmt

werden im kostenlosen Buch „Die einfache Wirtschaft“ (Lesezeit ca. 3 Stunden) von Eberhard Licht beantwortet.

25.07.2026

Eberhard Licht

licht at economy dot nu

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