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Die Abschaffung der Preise

Charaktere:

Maya:    Eine junge Frau aus Indien, technikaffin, pragmatisch und idealistisch.

Elena:   Eine ältere Frau aus Deutschland, erfahrene Aktivistin, mit einem feinen Sinn für Humor.

Carlos: Ein junger Mann aus Lateinamerika, Unternehmer, der an gesellschaftlichen Wandel glaubt, aber in Widersprüchen steckt.

Max:      Ein älterer Mann aus den USA, ehemaliger Finanzanalyst, weise und kritisch.

1. KAPITEL: DER STURM ZIEHT AUF

Die Szene beginnt auf einer Terrasse mit Blick auf eine lebhafte Stadt. Es ist ein heißer Sommertag.

Maya (blickt seufzend auf die Stadt):
„Es fühlt sich an, als würde die Welt auseinanderbrechen. Alles dreht sich nur noch um Profit, während viele Menschen immer noch um ihr Überleben kämpfen müssen und die Natur immer stärker unter Druck gerät.“

Carlos (grinst):
„Stimmt, aber solange die Börsenkurse steigen, interessiert das doch niemanden, oder? Und wenn die Ozeane leergefischt sind, dann hatten wir immerhin einmal Sushi.“

Elena (ruhig):
„Genau das ist ja das Problem. Wir wissen längst, dass grenzenloses Wirtschaftswachstum unsere Lebensgrundlagen zerstört – und trotzdem machen wir weiter.“

Max (nickt langsam):
„Vielleicht, weil wir glauben, dass wir keine andere Wahl haben. Die Politiker und Ökonomen sagen, dass alles zusammenbricht, wenn das Wachstum aufhört und die meisten Menschen glauben es.“

Maya:
„Aber das stimmt doch gar nicht. Die Wirtschaft produziert längst viel mehr als wir wirklich brauchen. Warum kämpfen wir dann immer noch ums Überleben?“

2. EINE REVOLUTION, DIE SCHON LANGE LÄUFT

Elena (lehnt sich zurück):
„Wenn man es historisch betrachtet, leben wir mitten in einer Entwicklung, die vor etwa zehntausend Jahren begonnen hat.“

Carlos (überrascht):
„So weit zurück?“

Elena:
„So weit ist das gar nicht. Bereits vor zweihundert Tausend Jahren sahen die Menschen schon so aus wie wir heute. Aber in diesen kurzen letzten fünf Prozent der Menschheitsgeschichte veränderte sich alles. “

Carlos:
„Klar, du hast Recht. Bis dahin lebten die Menschen von der Hand in den Mund als Jäger und Sammler und auf einmal schien es, als begänne das Leben sicher zu werden.“

Maya:
„Ja. weil zum ersten Mal mehr produziert wurde, als zum Überleben nötig war. Damals im Zweistromland, in Mesopotamien.”

Carlos:
“Das war aber auch der Anfang von Eigentum, Löhnen und Märkten. Und damit auch der Anfang von Ungleichheit. Einige nahmen sich die Überschüsse der Ernten und lagerten sie in ihren Scheunen, andere mussten für Lohn arbeiten.“

Max:
„Aber seitdem hat sich das System ja auch immer weiterentwickelt, lange Zeit ganz langsam, bis dann nach dem Mittelalter der Wettbewerb entstand, der zur Industrialisierung und dem heutigen Wohlstand für viele Menschen führte.“

Maya (zweifelnd):
„Und heute leben wir nicht mehr von der Hand in den Mund? Sicher, den meisten Menschen geht es gut und es gibt so viel Reichtum wie noch niemals. Aber immer mehr Menschen leben sogar hier bei uns am Rand der Armutsgrenze.“

Elena:
„Eigentlich könnten wir heute alle gut leben. Schau, wie viel Überschuss wir produzieren. Aber irgendwie sind wir immer noch in diesem alten Mechanismus gefangen: produzieren, verkaufen, kaufen und wachsen.“

3. DAS EIGENTLICHE PROBLEM: DER MARKTZWANG

Carlos:
„Aber niemand weiß, was wir ändern sollen. Alle Parteien wollen mehr Wirtschaftswachstum obwohl wir seit 50 Jahren wissen, dass dieses Wachstum unsere Zukunft gefährdet. Haben wir nicht bereits einige globale Grenzen überschritten?”

Max: (mit erhobenem Zeigefinger)
“Und der Internationale Währungsfond sagt ein weiteres Wachstum von einem Viertel für die nächsten fünf Jahre voraus.“

Maya:
„Leider sieht kaum jemand, dass der Markt das Problem ist. Er hat uns ja schließlich zum heutigen Wohlstand geführt. Aber solange wir kaufen müssen, brauchen wir Löhne. Und schon wären wir wieder beim Wirtschaftswachstum.“

Elena:
„Das ist der Kern: Löhne, Gewinne und Preise hängen zusammen. Wenn Löhne steigen sollen, muss mehr verkauft werden.“

Carlos:
„Das kann ich als Unternehmer selbst bestätigen. Wie soll ich höhere Löhne bezahlen, wenn nicht genug Geld hereinkommt! Und die Autoindustrie, die Stütze der gesamten Wirtschaft, verkauft immer weniger Autos.”

Max:
„Und genau deshalb greifen wir sogar auf absurde Dinge zurück – wie die Rüstungsindustrie. Dafür muss man nur ein Feindbild schaffen, dann fließen die Milliarden.“

Maya:
„Ja, und unberechenbare Präsidenten sorgen dafür, dass wir auf einem Pulverfass sitzen, welches jeden Moment explodieren kann.“

4. EINE RADIKALE, ABER EINFACHE IDEE

Elena:
„Was wäre, wenn wir diesen Mechanismus einfach beenden?“

Carlos (skeptisch):
„Wie denn bitte?“

Max:
„Indem wir das zentrale Element entfernen: den Preis. Lasst uns doch einfach einmal brainstormen. Wie sollen wir denn sonst zu neuen Lösungen kommen?“

Carlos:
„Produkte ohne Preise?“

Maya (lächelt):
„Warum nicht? Preise braucht man für den Markt. Aber wir könnten heute direkt bei den Produzenten bestellen – genau das, was wir wirklich brauchen.“

Elena:
„Eigentlich hast du Recht. Das Internet macht das heute möglich. Früher brauchten wir Märkte, um Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Die Preise dienten zum Informationsaustausch zwischen Käufer und Verkäufer. Heute könnten wir uns über das Netz direkt mit dem Produzenten verbinden und ihm genau sagen, was wir brauchen.“

Max:
„Und ohne Preise bräuchte es auch keine Löhne mehr. Denn warum sollten wir bezahlt werden, wenn alles frei verfügbar ist?“

Maya (euphorisch):
„Wooow, dann wäre ja sogar das Problem der steigenden Löhne gelöst – die wären überhaupt nicht mehr erforderlich und damit müsste es auch kein Wirtschaftswachstum mehr geben!“

5. DIE LOGIK DER KOSTENLOSIGKEIT

Carlos: (nachdenklich):
„Moment… wenn alles kostenlos ist, dann…“

Maya:
„Ja, dann brauchen auch die Eigentümer der Ölquellen, der Bergwerke und der landwirtschaftlichen Flächen ihre Profite überhaupt nicht mehr und es wäre ihnen ganz egal, wenn alle Menschen die Rohstoffe kostenlos nutzen würden.“

Carlos:
“Aber wie meinst du das: brauchen sie nicht mehr….”

Maya:
„Nun, wie sollten diese Eigentümer denn etwas kaufen, wenn es nur noch Geschenke gäbe? Es gäbe einfach nichts mehr zu kaufen, sondern sie bekommen alles gratis.”

Elena:
„Ja, bitte denkt nur einmal daran, die Rohstoffe waren in Wirklichkeit nie kostenpflichtig – die Natur verlangt überhaupt kein Geld.“

Max:
„Und wenn dann bei der Produktion ebenfalls keine Kosten entstehen, weil keine Löhne bezahlt werden müssen, dann sind die Endprodukte tatsächlich kostenlos, so wie du es vorhin beschrieben hast, liebe Elena.“

Carlos (langsam nickend):
„Das würde ja wirklich alles verändern…“

6. EIN VORBILD, DAS WIR SCHON KENNEN

Maya:
„Wenn ich es mir recht überlege – eigentlich kennen wir doch dieses Prinzip längst.“

Carlos:
„So? Woher denn? Was meinst du damit?“

Maya:
„Von der Familie. Manche nennen es auch den Care-Bereich. Das ist alles, was dafür sorgt, dass das wirkliche Leben weitergeht und dass am nächsten Tag wieder gearbeitet werden kann. In diesem privaten Bereich wird auch nicht abgerechnet. Es wird einfach getan, was nötig ist.“

Elena:
Der Care-Bereich. Natürlich. Dieser Bereich macht global gesehen genau so einen großen Teil aus wie die Produktion – nur taucht er in keiner Statistik auf, weil dort eben nicht mit Preisen gehandelt wird.“

Maya:
„Ja, genau. Sonst müssten ja die Familienmitglieder oder die Freunde etwas für das Mittagessen bezahlen, das in allen Familien auf der ganzen Welt täglich auf den Tischen steht.“

Max:
„Und das funktioniert erstaunlich gut. Niemand würde auf die Idee kommen, aus Wettbewerbsgründen doppelt so viel zu kochen und dann die Hälfte wegzukippen.“

Carlos:
„Warum machen wir es in der Wirtschaft dann nicht genau so?“

7. BRICHT DANN NICHT ALLES ZUSAMMEN?

Carlos:
„Aber mal ehrlich: Würde die Produktion nach einer solchen Umstellung nicht sofort kollabieren?“

Max:
„Also, wenn ich darüber nachdenke… im ersten Moment müsste sich doch in der Produktion kaum etwas ändern. Um ehrlich zu sein, wir könnten ja die Produktion überhaupt nicht ändern, das System würde sich sofort dagegen wehren und es nicht zulassen.“

Elena:
„Natürlich, die vertrauten Geschäftsbeziehungen gehen ganz normal weiter. Technisch ändert sich überhaupt nichts. Die Fabriken produzieren weiter. Nur ohne Rechnungen.“

Maya:
„Und wir merken es eigentlich nur daran, dass wir am Tage der weltweiten Umstellung nichts mehr bezahlen müssen. Nicht nur an diesem Tag sondern von da an bekommen wir immer alles gratis! Jeder Tag ist dann ein Fest der Geschenke!“

Elena:
„Ich wage mir diesen weltweiten Freudentaumel der Freiheit und des Schenkens überhaupt nicht vorzustellen.“

8. DIE FOLGEN DER UMSTELLUNG

Max:
Aber in den Tagen danach würde etwas Entscheidendes passieren: Es wird nur noch das produziert, was wirklich gebraucht wird. Oder gäbe es vielleicht jemanden, der mehr verschenken würde als nötig?“

Maya:
„Und plötzlich wäre Zeit kein Kostenfaktor mehr. Produkte könnten langlebig und vollständig recycelbar entwickelt und produziert werden, egal wie lange es dauert.“

Carlos:
„Viele Arbeiten könnten automatisiert werden und kein Mensch würde es verhindern wollen,  weil es keine Angst vor Arbeitslosigkeit mehr gibt. Wahrscheinlich würden hauptsächlich schwere, eintönige und gefährliche Arbeitsschritte ganz schnell durch Roboter ersetzt werden.“

Elena:
“Ich könnte mir vorstellen, dass viele Autofabriken auf den Bau von Robotern umgestellt werden könnten. Die notwendigen Maschinen gibt es dort ja schon. Die Umstellung wäre wahrscheinlich recht einfach und würde schnell gehen.“

Carlos:
„Und die Arbeitszeit würde sinken…“

Elena:
„Weil weniger produziert wird.“

Maya:
„Ja! Gab es nicht schon in den neunziger Jahren ein Buch mit dem Titel “Die fünf Stunden Woche?“

9. WAS PASSIERT MIT EIGENTUM?

Elena:
„Und was passiert mit den Unternehmen? Müssen die nicht enteignet und vergesellschaftet werden?“

Max:
„Warum denn? Es geht doch nur um Löhne  und Preise. Die verschwinden doch nicht, nur weil die Unternehmen nach einer Vergesellschaftung anderen Menschen gehören würden. Ich denke, das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun.“

Maya:
„Aber ändert sich denn dann überhaupt etwas?“

Elena:
„Wenn ich es recht überlege – Eigentum wird wahrscheinlich überhaupt bedeutungslos. Heute verdienst du Geld mit Eigentum.”

Maya:
„Ja genau, mit Wohnungen, die du vermietest oder mit Gründstücken, auf denen Rohstoffe gefunden werden oder mit den Feldern, auf denen Getreide angebaut wird. Aber was ist, wenn du nichts mehr mit diesem Geld kaufen kannst?”

Max:
„Genau. Dann ist das Eigentum eigentlich wertlos.”

Carlos:
„Ich vermute mal, wenn du kein Geld mehr mit Eigentum verdienen kannst, aber noch dafür verantwortlich bist, willst du irgendwann, dass es einfach weg ist.”

Elena:
„Das klingt fast so, als würde das Eigentum irgendwann von ganz alleine wieder zu Allmende werden können, also gar niemandem mehr gehören. So, wie es die ganze Menschheitsgeschichte hindurch war, bevor in Mesopotamien zum ersten Mal Eigentum entstanden ist.”

10. WIRD DANN NICHT ALLES GEPLÜNDERT?

Maya:
Wenn es keine Preise mehr gibt, werde ich mir dann jeden Tag ein neues Kleid von Prada holen und jeden Abend in Champagner baden!”

Carlos (grinst):
„Du spinnst ja. Wir haben uns doch längst an diese Situation gewöhnt. Gibt es jemanden, der keine Flatrate nutzt? Netflix oder das Deutschland-Ticket? Aber Niemand schaut rund um die Uhr Serien auf Netflix. Niemand fährt den ganzen Tag sinnlos mit dem Zug durch die Gegend, nur um alles auszunutzen, was geht.“

Elena (lacht):
„Warum wohl? Weil wir kein Interesse daran haben, unsere Zeit mit sinnlosem Konsum zu verschwenden. Wir haben ja dann die Möglichkeit, die Zeit viel sinnvoller zu nutzen.“

Maya:
„Na klar. Ihr habt recht. Wenn Werbung und Preisdruck wegfallen, passiert eher das Gegenteil: Wir nehmen weniger, aber bewusster.“

Max:
„Ich erinnere mich noch an den ersten Lockdown im März 2020. Wir hatten unglaubliche Angst davor, was passiert, wenn die Wirtschaft stillgelegt wird. Aber es wurden keine Geschäfte geplündert, so wie es in vielen dystopischen Filmen gezeigt wird.“

Elena:
„Nein, wir haben wirklich feststellen können, dass die Menschen in dieser Krisensituation fest zusammengehalten haben. Wie wird es dann erst sein, wenn wir uns sicher versorgt fühlen?”

11. DAS ENDE DER KNAPPHEIT

Max:
„Brauchen wir nicht die Preise, um Knappheit zu regeln? Wenn etwas knapp ist, dann ist es auch teuer und weniger Menschen können es sich leisten.“

Carlos:
„Du meinst, wenn etwas knapp ist, dann ist es besonders begehrenswert?“

Maya:
„Ein großer Teil der Knappheit wird heute künstlich erzeugt, gerade um die  Preise hoch zu halten. Gerade auch bei Luxusartikeln oder bei Spekulationen. Oft können nur die Reichen diese Preise bezahlen.“

Max:
“Aber schau mal, wenn es überhaupt keine Preise mehr gibt und alle Menschen bedingungslos versorgt sind, dann ist eigentlich nichts mehr spürbar knapp. Nicht weil es unendlich viel vorhanden ist, sondern einfach deshalb, weil es die Menschen nicht mehr unbedingt haben wollen. Das muss ein wirkliches Gefühl von Freiheit sein.”

Maya:
„Knappheit bedeutet auch Gefahr. Wir merken heute schon, dass Rohstoffe knapp werden. Es gibt bereits Kriege um Rohstoffe. Um das Öl im Iran oder die Bodenschätze im Donbas. Und durch das Wirtschaftswachstum nehmen die Rohstoffe immer schneller ab.“

Carlos:
„Diese Art der Knappheit wird ja dann verschwinden, wenn die Produkte wirklich recyclingfähig konstruiert und produziert werden. Dann werden wir kaum noch neue Rohstoffe brauchen. Das ist aber nur möglich, weil dann die Arbeit nichts mehr kostet.“

Elena:
Da sprichst du einen guten Punkt an. Wenn Arbeit nicht mehr zum Gelderwerb dienen muss, könnte sie ihre Bedeutung vollkommen verändern – sie wird Ausdruck von Kreativität und Beitrag zur Gemeinschaft. Nach kurzer Zeit hat wahrscheinlich jeder Mensch die Möglichkeit, das zu tun, was er am besten kann.“

Max:
„Und wenn niemand mehr aus Zwang arbeiten muss, dann wird auch der Wert der Arbeit ganz anders geschätzt. Die Motivation kommt dann aus der Freude an der Tätigkeit selbst. Dann müssen wir nicht mehr arbeiten, sondern wir wollen arbeiten.“

Maya: (begeistert):
„Ja, wenn ich nicht irgendetwas arbeiten muss, nur um Geld zu verdienen, dann kann ich mir eine Tätigkeit suchen, die mir wirklich Spaß macht und auf die ich mich jeden Abend freue. Vor allem, wenn wir nur noch zwei oder drei Tage pro Woche arbeiten müssen.“

Carlos:
„Überleg mal – die Menschen könnten sogar ihren Leidenschaften nachgehen. Diejenigen, die gerne backen, würden auch mal um vier Uhr früh‘s aufstehen, um leckere Brötchen und Croissants zu machen und anzubieten. Ich kenne sogar jemanden, dem es die größte Freude wäre, auf einem Bagger zu sitzen!“

Maya: (leicht skeptisch):
„Aber was wird dann aus Fortschritt und Innovation?“

Max: (überzeugt):
“Innovation wird zwar auch durch Wettbewerb angetrieben, doch ursprünglich durch die Neugier und den Wunsch, die Welt zu verbessern. In einer solchen Gesellschaft würden Fortschritte in Wissenschaft und Technik auf echte Bedürfnisse abzielen, statt Produkte auf den Markt zu werfen, nur um sie verkaufen zu können.“

12. WIE KANN DAS REAL WERDEN?

Carlos:
„Aber wie kommen wir da hin? Viele Menschen denken, dass die heutige Form des Kapitalismus die höchste Form des Lebens überhaupt ist. Die wenigsten wollen eine wirkliche Veränderung“

Maya:
„Vor ein paar Jahren, als die Fridays for Future-Bewegung anfing, da wollten schon viele Menschen eine wirkliche Veränderung. Leider hat die Corona-Pandemie diese Euphorie kaputt gemacht. Und jetzt diese ganzen Kriege.“

Elena:
„Ich habe die Hoffnung, dass sich die Menschen schon bald wieder der Gefahr für unsere Zukunft bewusst werden. Dann wäre es sehr nützlich, wenn es einen Plan gäbe.“

Max:
„Es könnte ein Drei-Stufen-Plan sein. Wir müssen unbedingt damit beginnen, über die eigentlichen Möglichkeiten der weltweiten Vernetzung zu diskutieren. Das Internet kann ja nicht ewig nur dazu dienen, Herrn Bezos und ein paar andere sagenhaft reich zu machen oder originelle Reels zu posten.”

Elena:
„Genau, das Internet könnte die Versorgung aller Menschen weltweit koordinieren aber dafür müssen wir darüber diskutieren, wie wir die Preise weltweit und mit einem Male verschwinden lassen.“

Maya:
„Ja. Als zweites muss der heutige Krisenzustand anerkannt werden und dann müssen sich Unternehmer:Innen und Beschäftigte an einen Tisch setzen. Die Verhandlungsbasis wäre, sowohl die Gewinne auf der einen Seite als auch die Lohnbuchhaltung auf der anderen Seite zu beenden. “

Carlos (staunt):
„Das ist… erstaunlich einfach.“

Maya:
„Und drittens: wenn keine Einigung erzielt werden kann, dann muss gesellschaftlicher Druck ausgeübt werden. Ein global koordinierter Generalstreik wäre dann das Mittel der Wahl.“

Elena:
„Wenn wir es erst einmal schaffen, weltweit darüber zu diskutieren – wer sollte es nicht einsehen, dass es keine andere Möglichkeit gibt und das heute tatsächlich die Voraussetzungen vorhanden sind.

Max:
„Es wäre das Ende des zerstörerischen Wachstums und der Verschwendung und dafür würde die Wirtschaft wirkliche Freiheit erhalten, ihre eigentliche Aufgabe zu erfüllen – die optimale Sorge für alle Menschen.“

EPILOG: DER LETZTE SCHRITT

Maya: (blickt in die untergehende Sonne):
„Vielleicht stehen wir nicht vor dem Ende der Welt… sondern vor der letzten Phase einer Revolution der Menschheit.“

Elena:
„Genau, ein Schritt, der eigentlich schon lange vorbereitet und bereits überfällig ist.“

Carlos:
„Und der alles friedlich verändern würde, ohne etwas zu zerstören, ohne jemandem etwas wegnehmen zu müssen.“

Maya (lächelt):
„Ja, weil wir längst genug haben.“

Max (hebt sein Glas):
„Und weil wir nur aufhören müssen, alles kaufen und verkaufen zu müssen.“

Alle stoßen an.

Maya:
„Auf die wirkliche Freiheit der Wirtschaft, einer Wirtschaft der Sorge für alle Menschen.“

Berlin, Ostern 2026

Eberhard Licht

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Mensaje de Pascua: En la mesa de la fraternidad

Hace unos días, el Papa Leo habló sobre la creciente brecha entre ricos y pobres y llamó a convertirse en “expertos en lo nuevo”, para que nadie quede excluido de la mesa de la fraternidad.

Estas palabras tocan el núcleo de nuestra convivencia económica. La división entre ricos y pobres no surge por casualidad. Sigue una lógica simple: en todo trabajo remunerado se genera un excedente que no va a quienes trabajan, sino a los empresarios. Así, la desigualdad crece automáticamente, incluso cuando todos actúan de buena fe.

La pregunta, por tanto, es: ¿basta con exigir una distribución más justa o debemos repensar los fundamentos de nuestra economía?

Las categorías actuales de salario, precio y beneficio son formas de mediación históricas. Han permitido el progreso humano, pero el crecimiento económico está destruyendo nuestras bases de vida.

El mensaje de la Pascua nos recuerda que lo que parece inmutable puede superarse. Tal vez esto también se aplique a nuestro sistema económico.

Hoy, por primera vez en la historia, tenemos la capacidad técnica de vincular directamente necesidades y producción. La conectividad global y la inteligencia artificial permitirían que las personas pidan directamente a los productores lo necesario para una vida digna, sin la influencia del mercado y la competencia que nos empujan a consumir cada vez más.

Ya utilizamos internet para nuestro abastecimiento, pero sigue mediado por el mercado. Los propietarios de plataformas como AliExpress, TEMU o Amazon están entre las personas más ricas del mundo.

El paso decisivo sería un cambio de perspectiva: si los empresarios renunciaran al beneficio y el trabajo dejara de entenderse como mercancía remunerada para convertirse en una contribución voluntaria al bien común, entonces la economía podría estar al servicio de las personas y no al revés.

Si reducimos los procesos económicos a sus elementos más simples, solo quedan dos factores: los dones gratuitos de la creación (recursos naturales) y la actividad humana vinculada al mercado.

Sin este mercado, los dones de la creación podrían llegar directamente a las personas, conservando su carácter gratuito y estando disponibles para todos sin condiciones.

Debemos liberarnos de la idea de que el cambio solo es posible mediante revoluciones o colectivización. No: basta con reunir a productores y trabajadores, es decir, consumidores, en una misma mesa como hermanos, ya no como adversarios. Sin beneficios, sin salarios, todas las personas estarían provistas de todo lo necesario para una vida digna.

Un orden así no solo superaría la división social, sino que también pondría fin a la presión del crecimiento constante. La producción podría orientarse a las necesidades reales: sostenible, duradera y en armonía con la creación.

Lo que suena radical toca una idea profundamente cristiana: todo es don. Y lo que es don no puede convertirse en mercancía. La Iglesia siempre ha recordado que la fraternidad no es solo un ideal para el cielo, sino una misión para este mundo.

Tal vez haya llegado el momento de tomar en serio esta idea también en la economía, para que realmente todos tengan un lugar en la mesa de la fraternidad.

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Easter message: At the table of fellowship

A few days ago, Pope Leo addressed the growing gap between rich and poor and called on us to become “experts in new ways,” so that no one is excluded from the table of fraternity.

These words touch the core of our economic coexistence. The divide between rich and poor does not arise by chance. It follows a simple logic: in every paid job, a surplus is created that does not go to the workers, but to the entrepreneurs. In this way, inequality grows automatically—even when all participants act in good faith.

The question, therefore, is: Is it enough to demand fairer distribution—or must we rethink the foundations of our economic system?

Today’s categories of wages, prices, and profits are forms of mediation; they are historically developed. They have enabled human progress, but economic growth is now in the process of destroying our natural foundations.

The message of Easter reminds us that what seems unchangeable can be overcome. Perhaps this also applies to our economic system.

Today, for the first time in history, we are technically capable of directly linking needs and production. Global connectivity and artificial intelligence could allow people to order directly from producers what is necessary for a dignified life—without the influence of markets and competition that constantly push us to consume more.

We already use the internet for our supply, but it is still mediated by the market. The owners of platforms such as AliExpress, TEMU, or Amazon are among the richest people in the world.

The decisive step would be a shift in perspective: if entrepreneurs were to give up profit and work were no longer understood as a paid commodity, but as a voluntary contribution to the common good, then the economy could truly serve people—not the other way around.

If we reduce economic processes to their simplest components, only two factors remain: the free gifts of creation (natural resources) and human activity, which is currently tied to the market.

Without this market, the gifts of creation could reach people directly and without detours. They would retain their gratuitous nature and be available unconditionally to everyone.

We must free ourselves from the idea and fear that change is only possible through revolution or collectivization. No—we simply need to bring producers and workers, that is, consumers, to one table as siblings, no longer as opponents. No profit, no wages—and all people would be unconditionally provided with everything necessary for a dignified life.

Such an order would not only overcome social division but also end the pressure for constant growth. Production could be oriented toward real human needs—sustainable, durable, and in harmony with creation.

What sounds radical touches a deeply Christian idea: everything is a gift. And what is a gift cannot be turned into a commodity. The Church has always reminded us that fraternity is not only an ideal for heaven, but a mission for this world.

Perhaps the time has come to take this idea seriously in economic terms—so that truly everyone can find a place at the table of fraternity.

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Osterbotschaft: Am Tisch der Geschwisterlichkeit

Vor wenigen Tagen hat Papst Leo die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich angesprochen und dazu aufgerufen, „Experten für Neues“ zu werden, damit niemand vom Tisch der Geschwisterlichkeit ausgeschlossen bleibt.

Diese Worte berühren den Kern unseres wirtschaftlichen Zusammenlebens. Denn die Spaltung zwischen Reich und Arm entsteht nicht zufällig. Sie folgt einer einfachen Logik: In jeder bezahlten Arbeit entsteht ein Überschuss, der nicht den Arbeitenden, sondern den Unternehmer:Innen zufließt. So vergrößert sich die Ungleichheit automatisch – selbst dann, wenn alle Beteiligten guten Willens sind.

Die Frage ist daher: Reicht es aus, gerechtere Verteilung zu fordern – oder müssen wir die Grundlagen unseres Wirtschaftens neu denken?

Die heutigen Kategorien von Lohn, Preis und Gewinn sind Formen der Vermittlung, sie sind historisch entstanden. Sie haben den menschlichen Fortschritt ermöglicht, aber das Wirtschaftswachstum ist dabei, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören.

Die Botschaft von Ostern erinnert daran, dass scheinbar Unveränderliches überwunden werden kann. Vielleicht gilt das auch für unsere Wirtschaftsweise?

Heute sind wir erstmals in der Geschichte technisch in der Lage, Bedarf und Produktion direkt zu verknüpfen. Die weltweite Vernetzung und künstliche Intelligenz würden es ermöglichen, dass die Menschen bei den Produzenten direkt das bestellen, was für ein würdiges Leben notwendig ist – ohne die Beeinflussung des Marktes und des Wettbewerbs, die uns auffordern, immer mehr zu kaufen.

Wir nutzen das Internet bereits für unsere Versorgung, aber es wird noch immer vom Markt vermittelt. Die Eigentümer der Vermittlungsplattformen Aliexpress, TEMU oder Amazon gehören zu den reichsten Menschen der Welt.

Der entscheidende Schritt wäre ein Perspektivwechsel: Wenn Unternehmerinnen und Unternehmer auf ihren Gewinn verzichten würden und Arbeit nicht mehr als bezahlte Ware verstanden wird, sondern als freiwilliger Beitrag zum Gemeinwohl, dann wäre es auch möglich, dass die Wirtschaft für die Menschen da ist und nicht umgekehrt. Denn wenn die wirtschaftlichen Prozesse auf ihre einfachsten Bestandteile zurückgeführt werden, bleiben letztlich zwei Faktoren übrig: die kostenlosen Gaben der Schöpfung (Rohstoffe, Natur) und die bezahlte menschliche Tätigkeit, die direkt mit dem Markt verknüpft ist.

Wenn dieser Markt nicht wäre, dann könnten die Geschenke Gottes, die Gaben der Schöpfung direkt und ohne Umweg zu den Menschen gelangen. Sie würden ihre Gratisheit behalten und allen, ja wirklich allen Menschen bedingungslos zur Verfügung stehen.

Wir müssen uns von dem Gedanken und der Angst befreien, dass die Änderung der Welt nur durch Revolutionen oder Vergesellschaftung möglich ist. Nein, wir müssten nur die Produzenten und die Arbeiter:Innen, also die Konsumenten, an einen Tisch bekommen, als Geschwister, nicht mehr als Gegner. Kein Gewinn, keine Lohnabrechnung und alle Menschen wären bedingungslos mit allem versorgt, was für ein Leben in Würde nötig ist.

Eine solche Ordnung würde nicht nur die soziale Spaltung überwinden, sondern auch den Druck zu ständigem Wachstum beenden. Produktion könnte sich an dem orientieren, was Menschen wirklich brauchen – nachhaltig, langlebig und im Einklang mit der Schöpfung.

Was radikal klingt, berührt einen zutiefst christlichen Gedanken: Alles ist Gabe. Und was Gabe ist, kann nicht zur Ware gemacht werden. Die Kirche hat immer daran erinnert, dass Geschwisterlichkeit kein Ideal für den Himmel allein ist, sondern ein Auftrag für diese Welt.

Vielleicht ist die Zeit gekommen, diesen Gedanken auch wirtschaftlich ernst zu nehmen – damit wirklich alle am Tisch der Geschwisterlichkeit Platz finden.

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Osterbotschaft 20 26

An einem ungewöhnlich heißen Frühlingstag im Jahre 2026 treffen sich vier Menschen auf einer Terrasse über einer lebhaften Stadt.
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Was als lockeres Gespräch beginnt, entwickelt sich schnell zu einer grundlegenden Frage:

  • Warum kämpfen wir in einer Welt des Überflusses immer noch ums Überleben?

Im Laufe ihres Dialogs stoßen sie auf eine ebenso einfache wie radikale Idee:

  • Was wäre, wenn wir die Wirtschaft völlig neu denken?
  • Ohne den Zwang zu ständigem Wachstum, weil das Internet und die AI die Rolle des Marktes übernehmen.

Es ist ein Gedankenspiel – und ein Blick in eine mögliche Zukunft.

Vielleicht stehen wir nicht vor dem Ende der Welt – sondern bereits in der letzten Phase einer Revolution der Menschheit, hin zu einem Leben in Würde.

🎧 Kopfhörer empfohlen.

Wenn dich diese Gedanken ansprechen, teile das Gespräch oder hinterlasse einen Kommentar.

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